Zur Geschichte des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums von StD a. D. Adolf Galster

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung am Gregor-Mendel-Gymnasium, die jüngste der drei gymnasialen Ausbildungsrichtungen an der Schule, entstand 1971 durch die Eingliederung des Hanns-Seidel-Gymnasiums.

Auf dessen Gründungsgeschichte soll nun kurz eingegangen werden: Bereits 1948 wurde in Amberg eine zweijährige Handelsschule von Oberstudiendirektor Dr. Arnold, dem damaligen Leiter der Amberger Berufsschule, gegründet, die von 1951 bis 1953 zur dreijährigen Wirtschaftsaufbauschule ausgebaut wurde. Die Absolventen dieser Schule erhielten die sog. "Mittlere Reife". Mit der zunehmenden Zahl der Absolventen wurde der Wunsch nach Weiterbildung bis zum Abitur laut. Das war damals, als man von der "Durchlässigkeit der Bildungswege", vom Ruf nach "mehr Abiturienten", vom Begabtenförderungsgesetz noch nichts wusste, eine ungeheuere Forderung. Und so wurden auch die Anträge von Dr. Arnold auf Genehmigung der dreijährigen Oberstufe der neunjährigen bayerischen Wirtschaftsoberrealschule mit Zulassung von Handelsschulabsolventen vom Kultusministerium zunächst 1953 und auch im März 1954 glatt abgelehnt. Die Angelegenheit könne "nicht weiterbehandelt werden, weil sich der Antrag von der Auffassung des Ministeriums zu weit entferne". Die Kultusbürokratie wollte nur „6-Klassisten“ von höheren Schulen zulassen. Das hat sich längst gründlich geändert. Die Durchlässigkeit der Bildungswege, der Übertritt von Schüler/innen mit mittlerem Bildungsabschluss in die Oberstufe der höheren Schule ist heute eine staatlich geförderte Selbstverständlichkeit, einer der Schwerpunkte der Bildungswerbung.

Am 17.5.1954 stellte der 1953 gegründete "Verein zur Gründung und Erhaltung einer Wirtschaftsoberrealschule Amberg/Opf.", dessen Vorsitzender Dr. Wolfgang Steiniger, damaliger Oberbürgermeister der Stadt Amberg, einen dritten Antrag. Der Verein erhielt endlich am 22. Juni 1954  – telefonisch vorab telefonisch – die Genehmigung zur Errichtung einer Wirtschaftsoberrealschule in der dreijährigen Oberstufenform.

 

Am 26.6.1954 berichtete die "Amberger Zeitung" wie folgt:

Amberg erhält eine Wirtschaftsoberschule
Die Initiative von Oberstudiendirektor Arnold brachte diesen schönen Erfolg

Nach mehr als einjährigem unablässigen Bemühen konnten in diesen Tagen mit der Erteilung der Genehmigung von Seiten des Bayer. Kultusministeriums die vorbreitenden Arbeiten zur Gründung eine Wirtschaftsoberschule in Amberg erfolgreich abgeschlossen werden. Damit eröffnet Amberg als erste bayerische Stadt mittlerer Größe diesen neuen Schultyp, der in ähnlicher Form in Bayern bisher nur durch Wirtschaftsoberschulen in München, Nürnberg und Regensburg vertreten war. Die Wirtschaftsoberrealschule Amberg, die am 1. September den Unterricht aufnehmen wird, stellt den Abschluss in der Entwicklung der berufsbildenden Schulen in unserer Stadt dar, die mit der Eröffnung der Handelsschule im Jahre 1948 begonnen wurde und macht Amberg für die Oberpfalz zum Mittelpunkt der gesamten kaufmännischen Berufsausbildung mit dem Wirtschaftsabitur als Abschluss.

 

Am 1. September 1954 begann der Unterricht mit 25 Schülern der damaligen 7. Klasse.

Im Mai 1960 erhielt die Wirtschaftsoberrealschule Amberg die volle staatlich Anerkennung und Zeugnisberechtigung mit allgemeiner Hochschulreife zum Studium an allen Universitäten und Hochschulen der Bundesrepublik. Die Schule entwickelte sich weiterhin gut, wobei vor allem geeignete Absolventen von Real-und Wirtschaftsschulen mit einem Notendurchschnitt bis 1,5 ohne Aufnahmeprüfung und mit Schnitt bis 2,5 mit einer Aufnahmeprüfung in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Betriebswirtschaftslehre und Buchhaltung Aufnahme fanden.

Die Namensgebung Hanns-Seidel-Gymnasium erfolgte im Jahre 1966 in dankbarer Erinnerung an die Verdienste des ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hanns Seidel.

Als Oberstudiendirektor Dr. Arnold 1968 verstarb, wurde Gymnasialprofessor Paulfeit vorübergehend die kommissarische Leitung der Schule übertragen.

Im Schuljahr 1969/70 übernahm die Stadt Amberg die Schulträgerschaft und ernannte Studiendirektor Traub zum Anstaltsleiter.

Im Jahr 1971 beantragte die Stadt Amberg das Hanns-Seidel-Gymnasium als wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungsrichtung dem Gregor-Mendel-Gymnasium anzugliedern, verbunden mit dem Ziel, es so bald wie möglich zum vollen Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium der neunklassigen Form auszubauen. Damit würde das Gregor-Mendel-Gymnasium seinen Schülern drei gleichwertige Ausbildungsrichtungen anbieten können Das Einverständnis des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus lag zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits vor. Die Schule beabsichtigte, nach Abschluss der Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen schon zu Beginn des Schuljahres 1974/75 mit dem Ausbau zu beginnen.

 

Zu Beginn des Schuljahres 1971/72 wurde das Hanns-Seidel-Gymnasium vom bayerischen Staat übernommen und dem Gregor-Mendel-Gymnasium eingegliedert.

Für die Schule hatte die Angliederung des Hanns-Seidel-Gymnasiums zunächst nicht unerhebliche Folgen:

Um insgesamt 111 Oberstufenschüler stieg die Schülerzahl zum Schuljahresbeginn "auf einen Schlag" an.

Das räumliche Problem wurde dadurch gelöst, dass die wirtschaftswissenschaftlichen Klassen zunächst im Gebäude der berufsbildenden Schulen ausgelagert blieben.

Der Unterricht in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern konnte durch die Übernahme der Wirtschaftsphilologen des Hanns-Seidel-Gymnasiums Oberstudienrat Adolf Galster und Studienrat Rudolf Geiss in den staatlichen Gymnasialdienst mit gleichzeitiger Versetzung an das Gregor-Mendel-Gymnasium gesichert werden.

Die Stadt Amberg ordnete für das Schuljahr 1971/72 zudem städtische Lehrkräfte zur Unterrichtsaushilfe an das Gregor-Mendel-Gymnasium ab. Es unterrichteten:

Dobmeier Georg, Studienrat; kath. Religionslehre

Dr. Klinger Heinrich, Oberstudienrat; Deutsch, Geschichte

Frieser Josef, Studiendirektor; kath. Religionslehre

Straubinger Josef, Studienrat; Deutsch, Geschichte

Stumpf, Gerhard, Oberstudienrat; Englisch, Französisch

Tschirschky Hans-Christoph, Oberstudienrat; Englisch

Wittmann Heinrich, Oberstudienrat; kath. Religionslehre

 

Das Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium am Gregor-Mendel-Gymnasium bot auch weiterhin vor allem Real- und Wirtschaftschulabsolventen die Möglichkeit, nach drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife zu kommen. Von den 37 Schülerinnen und Schüler der beiden 11. Klassen des Schuljahres 1972/73 kamen 11 von der Amberger Wirtschaftsschule (Friedrich-Arnold-Schule) und 16 von Realschulen, davon 8 allein von der Realschule der Armen Schulschwestern in Amberg.

Die Angleichung des Kenntnisstandes, besonders in Mathematik, Französisch und in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern an den Leistungsstand von Gymnasiasten einer normalen 11. Klasse eines Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums bereitete erhebliche Schwierigkeiten, wurde aber dadurch erleichtert, dass die übertretenden Wirtschafts- und Realschulabsolventen diese Übertrittsmöglichkeit sehr zu schätzen wussten und zumeist eine sehr positive Einstellung zur Schule und zur schulischen Arbeit zeigten.

Die Schule versuchte – unter wohlwollender Genehmigung des Kultusministeriums – den besonderen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen. So konnte in den Fächern Französisch, Englisch, Mathematik und in den wirtschaftswissenschaftlichen Fächern Stunden über die Stundentafel hinaus angeboten werden. Dass sich gerade die Arbeit für die Schüler der wirtschaftswissenschaftlichen Klassen lohnte, zeigten jeweils die Ergebnisse der Reifeprüfung.

Als zu Beginn des Schuljahres 1973/74 der Erweiterungsbau bezogen werden konnte, wurde es möglich, die drei Klassen des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums, die immer noch im Gebäude der berufsbildenden Schulen Gastrecht genossen, auch räumlich in das Gregor-Mendel-Gymnasium einzugliedern.

Wie geplant, begann mit Beginn des Schuljahres 1974/75 mit einer 8. Klasse der Vollausbau zum Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium der neunklassigen Form.