175 Jahre ökonomische Bildung

175 Jahre Wirtschaftserziehung am Gregor-Mendel-Gymnasium und dessen Vorläufern –

von der Spezial- zur Allgemeinbildung[1]

von StD Horst Kniess

1.Ökonomische Bildung an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert

Während Lateinschulen und Gymnasien auf der Basis der antiken Sprachen zweckfreie Bildung für die „gelehrten Stände“ vermittelten, zum Teil aber auch die Voraussetzung für bestimmte Berufe (z. B. Theologen, Ärzte, Juristen) schufen, lag die Ausbildung der Gewerbetreibenden und Kaufleute lange Zeit im Argen. Sie erfolgte zumeist durch private Unternehmer und nicht durch die öffentliche Hand[2]. Das merkantilistische Wirtschaftssystem forderte allerdings sehr bald eine bessere Ausbildung von Fachkräften, sodass für die Berufspraxis verwendbare Bildungsinhalte an Bedeutung gewannen. Erstaunlicherweise wurde bereits frühzeitig auf die Notwendigkeit staatsbürgerlicher Bildung hingewiesen. So verlangte bereits v. ICKSTADT 1770 [3], dass man alle Bürger „in ihrem Stand und Beruf in jenen Gegenständen, Kenntnissen und Wissenschaften unterrichte, ohne welche sie weder ihren häuslichen Geschäften, noch bürgerlich-gesellschaftlichen Pflichten ... ein Genügen leisten können“.

Obwohl vielversprechende Ansätze u. a. in München, Augsburg und Nürnberg existierten, fielen die vorhandenen Realinstitute[4] dem besonders in Bayern erstarkten Neuhumanismus zum Opfer, der darin das „Bildungsziel der Aufklärung mit ihrem öden Streben nach praktischer Nützlichkeit verkörpert“[5] sah. Sie wurden mit Ende des Schuljahres 1815/16 aufgelöst bzw. in von den Gemeinden einzurichtende höhere Bürgerschulen umgewandelt.[6]  Die humanistischen Anstalten besaßen damit das Monopol der Vermittlung höherer Geistesbildung, wohingegen der Realismus „mit dem Makel des nüchternen, geschäftsmäßigen Materialismus behaftet“[7] schien. Trotz der Betonung des allgemein bildenden Wertes der Realien bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts[8] wurden die Realinstitute etwas geringschätzig betrachtet – eine Erfahrung, die auch mehr als 100 Jahre später der Schulleiter der Oberrealschule zum Ausdruck brachte: „... manchmal gilt sie heute noch nicht als eine Schule, die dem Bildungsideal und der Qualität anderer Gymnasien gleichwertig ist. Immer wieder ... ist sie in den Verdacht gekommen, einseitig nur materielles Denken zu pflegen, während die wahre Geistesbildung hier keine eigentliche Heimat haben könne“.[9]  

 

2. Die Gewerbeschule

Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich die Wirtschaft des Königreiches Bayern in einer höchst desolaten Lage. Sie war noch weitgehend agrarisch geprägt und durch einen technologischen Rückstand gegenüber der ausländischen Konkurrenz gekennzeichnet. Die Industrie hatte der kostengünstigen englischen Massenfertigung nichts entgegen zu setzen.[10] Erst allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass eine Stärkung von Gewerbe, Industrie und Handel nur durch eine vertiefte Fachbildung zu erreichen sei, die sich vor allem auf den naturwissenschaftlichen Bereich bezog. Unter dem Wettbewerbsdruck  und den steten Forderungen von Industrie und Gewerbe entschloss man sich, die Gründung von sog. Gewerbeschulen zuzulassen, welche zunächst im Grunde genommen als technische Fachschulen konzipiert waren und im Übrigen ohne Belastung des königlich-bayerischen Landeshaushalts finanziert werden mussten.

Die Amberger Gewerbeschule wurde 1833 mit einem Kurs (heute Jahrgangsstufe) ins Leben gerufen und bis zum Schuljahr 1837/38 mit drei Kursen als Vollanstalt ausgebaut. Im zweiten Jahr des Bestehens kam eine landwirtschaftliche Abteilung hinzu. Die Schule trug nun den Namen „Königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule I. Klasse“. Bereits damals bezog man wirtschaftskundliche Stoffgebiete ein, wenngleich diese in andere Fächer integriert waren. In Arithmetik verdeutlichte man die Inhalte an Hand von Beispielen aus dem „bürgerlichen Leben“ und befasste sich mit Dreisatz, Zins-, Mischungs- und Gesellschaftsrechnung.[11] Zinseszins- und Rentenrechnung dienten der Anwendung algebraischer Methoden. Buchhaltung war i. d. R. auf den dritten Kurs beschränkt. Die Einübung des Systems der doppelten Buchführung erfolgte an praktischen Geschäftsgängen, „indem die während eines Monats vorgefallenen Geschäfte in der Prima Nota[12] und im Cassabuch aufgezeichnet und von da an in das Hauptbuch eingetragen wurden“.[13] Bisweilen bezog man auch wesentliche Elemente des Wechselrechts ein.

Die Unterweisung in Buchführung war anfangs häufig mit dem Unterricht in der Muttersprache gekoppelt, weil speziell ausgebildete Lehrkräfte offensichtlich fehlten.[14] Das Fach „Deutsche Sprache“ als allgemeinbildendes Fach wurde übrigens in Amberg bereits ab der Gründung der Gewerbeschule unterrichtet, obwohl es in den königlichen Vorschriften nicht vorgesehen war. Es übernahm u. a. die Aufgabe, den sprachlichen Ausdruck in Aufsätzen und Briefen, also den „Geschäftsstyl“, zu verbessern. Zudem wurde die Abfassung von Schuld- und Depositenscheinen, Quittungen, Vollmachten usf. eingeübt. Die Schule zählte damit zu den wenigen Instituten, „die auch Unterricht in den Realien erteilten.“[15] Sowohl Lehrpläne als auch Stundenverteilung waren anfangs nicht zwingend vorgeschrieben, so dass sich wohl große Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerbeschulen ergeben haben. Den ersten verbindlichen Lehrplan brachte erst die Reform der Gewerbeschulen im Jahr 1864.[16]

Durch die stärkere Berücksichtigung „realistischer“ Fächer entfernten sich die Gewerbeschulen  von ihrem ursprünglichen Auftrag, auf die „Gewerbe“ vorzubereiten. Bereits zwanzig Jahre nach Gründung hatte Joseph Zitzlsperger, Lehrer für Realien, Buchhaltung und Stenographie, darauf hingewiesen, dass dies jedoch nicht Ziel der Gewerbeschule sein könne: „Gewerbe und Industrie lassen sich ebenso wenig als Tugend und Frömmigkeit lehren. Die Gewerbeschule sucht ihren Zöglingen allgemeine Vorbildung zu geben, wie sie der eine, der einst technischer Beamter, z. B. Architekt, Forstmann etc., oder der andere, der ein wackerer Bürger werden will, nötig hat. Anwendung des Erlernten auf den erwählten Beruf ist beim Ersteren Aufgabe des eigentlichen Fachstudiums, bei Letzterem der praktischen Lehrzeit, bei keinem aber Aufgabe der Schule.“[17] Und einige Jahre später verlangte sein Kollege SCHÖNWERTH[18] gar, die wirtschaftliche (und ethische?) Kompetenz des Schülers zu fördern: „Doch genügt es nicht, in die Lehre des Gewerbes selbst einzuführen, das Technische zu lehren; gleich unerlässlich ist es, den reiferen Schülern die Hauptsätze der Nationalökonomie, des Geistes, welcher das Gewerbswesen zu durchdringen hat, zu eigen zu machen, auf dass sie selbst in den Stand gesetzt seien, zu beurteilen, was frommen, was schaden kann.“

Die Erkenntnis, dass die Schule in theoretischer Weise auf der Basis der Wissenschaften besser auf das Berufsleben vorbereite, wenn sie die Denkkraft ihrer Schüler fördert, fand Eingang in die Schulordnung von 1864, die den allgemein bildenden Charakter der Gewerbeschulen betonte. Sie gestattete gleichzeitig die Schaffung von Handelsabteilungen. Eine solche wurde im Schuljahr 1865/66 angegliedert[19], was von „der handel- und gewerbetreibenden Bevölkerung dankbarst begrüßt wurde.“[20] Welch großer Umfang wirtschaftskundlicher Inhalte von diesen Schülern in drei Jahren bewältigt werden musste, zeigt beispielhaft die Übersicht der Lehrgegenstände im Schuljahr 1867/68 im Anhang.[21] Dazu kam noch Schönschreiben (I. Kurs) in Verbindung mit der Ausfertigung von Geschäftsbriefen und Wechseln, in allen Jahrgangsstufen Französisch (5 Wochenstunden) und Englisch im Abschlusskurs (5 Wochenstunden).[22] Die dafür nötigen Stunden gewann man durch die Streichung des Zeichen-, Mathematik- (insbesondere Geometrie-) und Physikunterrichts.[23]

Angesichts der Stofffülle kam es – wie in ganz Bayern – zu lebhafter Kritik von Seiten der Lehrer- und Elternschaft. In der Schulordnung von 1870 wurden deshalb wirtschaftskundliche Fächer im 1. Kurs ersatzlos gestrichen, „dem 2. Kurse der Handelsabteilung verbleiben vier Stunden Handelskunde und zwei Stunden Schönschreiben, dem 3. Kurse sechs Stunden Handelsarithmetik und Handelskunde“.[24] Man beschränkte sich dabei vor allem auf rechnerische Stoffgebiete (z. B. Kontokorrent- und Effektenrechnung) und den Wechsel; die doppelte Buchhaltung dürfte kaum ausführlich behandelt worden sein.

 

3. Die Königliche Realschule

Ein weiterer Schritt weg von der berufsbildenden Schule ergab sich durch die Schulordnung von 1877: Aus der dreikursigen Gewerbeschule entstand die sechskursige Realschule, wobei der Übergang naturgemäß sukzessive erfolgte. Die „Realien“, insbesondere die Fremdsprachen[25], erhielten eine größere Bedeutung; die Handelsabteilungen wurden beseitigt. „Man traute dem allgemeinen Bildungswerte der Handelsfächer nicht...“[26] Ökonomische Inhalte fanden sich im 5. und 6. Kurs nur dort, wo ein Zusammenhang mit dem Rechnen bzw. der Algebra gegeben war. So wurde etwa die Prozentrechnung „auf Gewinn und Verlust, Rabatt, Tara usw.“[27] angewandt und die Zinseszins- und Rentenrechnung behandelt.[28] Buchführungsunterricht erteilte man nicht mehr.

 

Nachdem die Realschule aus finanziellen Gründen mit dem Schuljahr 1880/81 von einer sechskursigen zu einer vierkursigen zurückgestuft worden war, bemühten sich Amberger Bürger und der Stadtmagistrat um die Wiedererrichtung einer Vollanstalt mit Handelsabteilung. „Man vermisste die Ausbildung in den Handelsfächern und besonders die hiesige Bezirksvertretung für Handel und Gewerbe war der Ansicht, dass durch Anfügung von Handelsabteilungen an die beiden oberen Kurse der Wert der Schule als Vorbildungsanstalt für den gewerblichen, besonders kaufmännischen Beruf erhöht werde und dass der Besuch der Anstalt sich weiter steigern würde.“[29] Die staatsaufsichtliche Genehmigung zur Umwandlung in eine sechskursige Realschule erfolgte 1892, die Zustimmung zur Errichtung einer Handelsabteilung schließlich 1894. Amberg besaß damit ab dem Schuljahr 1894/95 wieder eine voll ausgebaute Realschule. Die neu geschaffene Handelsabteilung war auf die 5. und 6. Klasse beschränkt. Deren Schüler „sind von der Teilnahme am Unterricht im Zeichnen befreit und erhalten dafür angemessenen Unterricht in der Handelsarithmetik, Handelskunde und Kalligraphie“[30] in jeweils 5 Wochenstunden.[31] Sie nahmen an der Absolutoriumsprüfung teil und hatten statt der Aufgabe aus der darstellenden Geometrie eine solche – doch recht anspruchsvolle – aus den Handelswissenschaften zu bearbeiten.[32]

Obwohl der damals geltende Lehrplan wiederum stark auf die Bildung des Kaufmannsstandes zugeschnitten war, sind doch erste Ansätze des Spiralprinzips erkennbar. Auch didaktische und methodische Hinweise fehlten nicht. Die Schulordnung wies z. B. der 5. Klasse die Einführung und der 6. Klasse die Anwendung der doppelten Buchhaltung zu, die Behandlung des Wechsels sollte in ähnlicher Weise erfolgen. Der Unterricht im Fach Handelskunde hatte sich auf das Wesentliche zu beschränken, wozu auch die Erklärung wirtschaftlicher und rechtlicher Grundbegriffe zählte. Im Gegensatz zu älteren Lehrplänen war es ausreichend, im Buchhaltungsunterricht einen Einblick in den Zusammenhang der Hauptbuchkonten zu geben und sich bei schriftlichen Arbeiten auf ein Minimum zu beschränken. Auch die Anwendung der induktiven Methode wurde bereits gefordert. „Eine methodische und stufenweise geordnete Reihenfolge instruktiver Beispiele wird den Schüler befähigen, kurze Geschäftsgänge auszuarbeiten und sich im Bücherabschlusse zu üben ... Wie überhaupt alles bloße Abrichten zu vermeiden ist, so müssen insbesondere die Methoden der Kontokorrentzinsberechnung und die Buchung der Partiziptionsgeschäfte arithmetisch begründet werden.“ Und: „Der Schwerpunkt des Unterrichts ist in die streng logische Begriffsentwicklung, nicht in mechanische Comptoirarbeiten zu legen.“[33]

Durch die Schulordnung von 1907 ergaben sich keine grundsätzlichen Veränderungen mit der Ausnahme, dass der Handelskundeunterricht nun schon – wie bei den Gewerbeschulen – in der 4. Klasse einsetzte. Die Gesamtstundenzahl und der Umfang der Stoffgebiete erhöhten sich dadurch. Erst in der Schulordnung von 1914 nahm man wieder eine Reduzierung vor. Obwohl die Handelsabteilungen Eingang in die Stundentafeln der allgemeinbildenden Schulen gefunden hatten, war auch dieser Lehrplan noch sehr stark „auf die berufliche Ausbildung des Kaufmanns zugeschnitten“.[34] Er enthielt u. a. die Einführung in die doppelte Buchführung, die Kalkulation in Handwerk, Handel und Industrie sowie die Abrechnung von Kommissions-, Konsignations-, Speditions- und Kontokorrentkonten, außerdem die Erstellung von Eisenbahn- und Zollpapieren.[35] Über die Forderungen der Promemoria hinausgehend wurde verlangt, deutsche Begriffe verstärkt zu verwenden. „Sogenannte kaufmännische Redewendungen, die mit den deutschen Sprachgesetzen nicht übereinstimmen, sind zu vermeiden, ebenso alle unnötigen Fremdwörter. Bei der Besprechung unentbehrlicher, im kaufmännischen Verkehre vorkommender Fremdwörter ist auch auf die geschichtliche Entstehung hinzuweisen und auf die kulturgeschichtliche Bedeutung des Handels einzugehen.“[36] Damit entfernte man sich wiederum einen kleinen Schritt von der ursprünglichen Berufsbildungsaufgabe.

 

4. Die Oberrealschule und das Gregor-Mendel-Gymnasium[37]

Nach vierjährigen Bemühungen um die Errichtung einer Oberrealschule, die man vor allem „mit den Bedürfnissen der fortschreitenden Industrialisierung und der Erschließung der Bodenschätze der nördlichen Oberpfalz“[38] begründete, wurde im April 1925 die Umwandlung der Realschule in eine Oberrealschule genehmigt, nachdem die Übernahme der Kosten durch die Stadt Amberg zugesichert worden war.[39] Die Angliederung einer 7. und 8. Klasse erfolgte noch im Schuljahr 1925/26, ein Jahr später war die Schule mit 9 Jahrgangsstufen voll ausgebaut, was einen enormen Anstieg der Schülerzahl mit sich brachte. Von Anfang an bemühte man sich darum, den Auftrag der Allgemeinbildung hervorzuheben. So stellte der damalige Schulleiter Dr. Reitinger bei der feierlichen Übergabe des neuen Hauses an der Moritzstraße am 27. September 1930 klar: „Die Oberrealschule ist keine Spezialschule für bestimmte gelehrte Berufe ..., sie ist vielmehr eine lebensvolle Bildungsstätte für alle bürgerlichen Berufe und für alle Schichten der Bevölkerung. Der zukünftige Kaufmann, der Techniker, wie auch der gehobene Handwerkerstand und der Künstler finden an unserer Schule die bestgeeignete Vorbildung.“[40]

Nach einer Unterbrechung von zwei Jahren führte die Schule ab dem Schuljahr 1926/27 wieder eine Handelsabteilung in den Jahrgangsstufen vier bis sechs. Handelskunde wurde jeweils dreistündig unterrichtet, wobei der Zeichenunterricht gekürzt wurde.[41] Die Schulordnung von 1926 brachte die endgültige Abkehr von der Handelskunde alten Stils. Entsprechend der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften an den Hochschulen fanden die Gebiete „Betriebswirtschaftliche Organisation und Finanzierung“ sowie die Industriebetriebslehre Eingang. In der 6. Jahrgangsstufe z. B. rückte die „Allgemeine Wirtschaftslehre“ der Betriebe, welche die Darstellung des Produktionsprozesses und dessen Verrechnung beinhaltete, in den Vordergrund. Die heute fremdartig anmutenden Lehrgegenstände der Kaufmannsbildung zu Beginn des 20. Jahrhunderts fehlten völlig.[42]

Naturgemäß zeigte sich die gleiche Tendenz bei den Stoffgebieten der Lehramtsprüfung.[43] Die Prüfungsordnung von 1869 nennt als Prüfungsgegenstände der Handelswissenschaften die typischen Inhalte der Handelskunde. Vier Jahre später wurde erstmals die Nationalökonomie berücksichtigt.[44] Die Prüfungsordnung von 1927 bezog die Betriebs- und Volkswirtschaftslehre stärker ein und wies ebenso der Rechtslehre ein größeres Gewicht zu. Die Kandidaten mussten über die Kenntnis der Vorschriften des Handelsgesetzbuches und der Wechselordnung hinaus die Grundzüge des bürgerlichen sowie des Staats- und Verwaltungsrechts beherrschen. Folgerichtig sprach man dann nicht mehr von den Handels-, sondern von den Wirtschaftswissenschaften.

Wenngleich Mitte der zwanziger Jahre nicht von einer didaktischen Neuorientierung gesprochen werden kann, lässt sich dennoch feststellen, dass der Wirtschaftsunterricht mehr von der allgemeinbildenden Seite her angegangen wurde[45] Den eingeschlagenen Weg setzte man im didaktisch-methodischen Bereich fort. So sollten Auswahl und Behandlung des Lehrstoffs neben der Vermittlung von Berufswissen auch eine Einführung in die wirtschaftliche Denkweise ermöglichen, wobei Betriebsbesichtigungen und das „Lesen des Handelsteils der Tageszeitungen“ den Unterrichtserfolg vertiefen und zur „Belebung des Unterrichtsverfahrens“[46] beitragen sollten. Wie die Jahresberichte zeigen, wurde dem Besuch gewerblicher, industrieller und städtischer Betriebe große Bedeutung beigemessen, erbringe sie doch „der heranwachsenden Jugend wertvollen Gewinn sowohl für die Allgemeinbildung wie für die praktische Lebenskenntnis“.[47] Seit dem Schuljahr 1926/27 leistete die Schule übrigens auch Hilfestellung bei der Berufswahl, indem ein „Beratungslehrer“ bestellt wurde. Der Trend zur Allgemeinbildung spiegelte sich letztlich auch in der Bezeichnung des Faches wider: aus der „Handelskunde“ wird die „Wirtschaftslehre“.

Nachdem im Zuge der Vereinheitlichung der Oberschulen im Deutschen Reich 1942 die Auflösung der Handelsabteilungen verfügt worden war, berücksichtigten die Lehrpläne der Jahre 1951, 1957 und 1961 wiederum das Fach Wirtschaftslehre im bisherigen Umfang von drei Wochenstunden in den Klassen vier bis sechs. Die Alternative „Wirtschaftslehre oder Zeichnen“ bzw. „Wirtschaftslehre oder Kunsterziehung“ (seit 1951) wurde beibehalten, ebenso wenig änderten sich die Lehrinhalte.[48] Der Jahresbericht 1951/52[49] konkretisierte die Aufgaben der nun als Wahlpflichtfach (Vorrückungsfach) bezeichneten Wirtschaftslehre: Die Schüler lernen „kaufmännisches Rechnen, die Buchführung der verschiedenen Systeme, Betriebswirtschaftslehre u. a., wie es für den Kaufmann, Techniker oder Verwaltungsbeamten wünschenswert oder notwendig ist“.

Erstaunlich ist die Akzeptanz des Faches Handelskunde bzw. Wirtschaftslehre. So besuchten z. B. in den Schuljahren 1932/33 bis 1938/39 stets mehr als die Hälfte der in Frage  kommenden Schüler die Handelsabteilung.[50] Wie Kasten 4 im Anhang zeigt, hielt die positive Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg unvermindert an.[51] Die höchsten Quoten wurden in der ersten Hälfte der 50er Jahre und zu Beginn der 70er Jahre erreicht. Möglicherweise schrieben die Eltern damals diesem „realistischen“ Fach unter dem Eindruck des Wiederaufbaus bzw. der ersten rezessiven Tendenzen in der Wirtschaft eine besondere Bedeutung zu. Dass mit der Wahl des Faches eine Mehrbelastung durch eine höhere Stundenzahl, eine intensivere Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und die Anfertigung schriftlicher Arbeiten verbunden war, unterstreicht die starke Motivation der Teilnehmer.[52]

In den 60er Jahren setzte sich schließlich die Einsicht durch, dass eine allgemeinbildende Wirtschaftslehre sich nicht an den Bedürfnissen der kaufmännischen Berufsausbildung zu orientieren hatte, sondern vielmehr der Mensch als „Haushaltsplaner, Berufstätiger und Staatsbürger“[53] in den Mittelpunkt zu stellen sei. Der Lehrplan aus dem Jahre 1964 führte folgerichtig die „betriebstechnischen Stoffe, vor allem kaufmännisches Rechnen und Buchführung, auf das zum Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge erforderliche Maß zurück“ und zielte stattdessen darauf ab, „den Schülern ein grundlegendes Wissen von der Wirtschaft als einen wesentlichen Bestandteil unserer Kultur zu vermitteln“.[54] In den Bildungskanon wurden deshalb „volkswirtschaftliche, rechtliche, soziale und politische Themenkreise“[55] aufgenommen. Sehr deutlich wird diese neue Sichtweise an den damals an der Schule eingeführten Lehrbüchern von K. Rauch „Wirtschaft und Recht im Unterricht“ (3 Bände).[56] Neben einer Einführung in das System der Vermögens- und Erfolgsrechnung sowie der Kostenrechnung und der Gütererzeugung bzw. Güterverarbeitung behandelt der Verfasser u. a. rechtliche Aspekte (z. B. Rechts- und Geschäftsfähigkeit, Kaufvertrag und andere Vertragsarten), den Marktmechanismus und weitere gesamtwirtschaftliche Themen (wie Kapitalbildung, Sozialprodukt, Wirtschaftssysteme). Zudem wies er jeweils im Vorwort darauf hin, dass für „die Bewertung wirtschaftlicher Vorgänge und Erscheinungen ... den Schülern ethische Maßstäbe mitgegeben werden sollen.[57]

Ab dem Schuljahr 1977/78 wurde das Fach „Wirtschafts- und Rechtslehre“ als einstündiges Pflichtfach in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 unterrichtet.[58] Die Lehrinhalte der Curricula waren in Spiralform angelegt, bei der es weniger auf die fachsystematische, sondern mehr auf lernpsychologisch geeignete Folge der Lerneinheiten ankommt. [59] Damit war der Grundstein der Schülerorientierung in didaktischer als auch methodischer Hinsicht insichtHin h gelegt. Die logische Fortführung findet sich in den heute gültigen Lehrplänen des achtjährigen Gymnasiums. Ausgehend von seiner Erfahrungswelt soll(te) der Schüler die wirtschaftlichen und rechtlichen Strukturen, in die er eingebunden ist, durchschauen und rational begründete, verantwortungsvolle Entscheidungen (z. B. als Konsument oder Staatsbürger) treffen können. Der Teilbereich „Berufswahl und Berufsvorbereitung“[60] diente der Berufsorientierung, während das Teilgebiet „Berufsausübung“ sich mit den am Arbeitsmarkt Beteiligten auseinander setzte. Mit einer Hinführung auf kaufmännische Berufe hat dies alles nichts mehr gemein, zumal gesamtwirtschaftliche Aspekte (u. a. Einkommensverteilung) vor allem in der 10. Jahrgangsstufe in den Vordergrund rückten. Betriebswirtschaftliche Sachverhalte (als Hauptbestandteile der kaufmännischen Ausbildung) bedurften lediglich einer exemplarischen Behandlung. Ziel war und bleibt letztlich, Verständnis für wirtschaftliche und rechtliche Zusammenhänge zu wecken. Auch aus methodischer Sicht erschienen die Lehrpläne innovativ: Sie forderten nämlich handlungsorientierte Unterrichtsverfahren, beispielsweise in Form von Rollenspiele, Fallstudien oder Betriebserkundungen. Gerade Letztere haben – wie bereits dargestellt – eine lange Tradition an unserer Schule.

Die Inhalte des ab 1992 geltenden Lehrplans weichen im Großen und Ganzen nicht von denjenigen der Vorläufer ab. Sie wurden lediglich den Veränderungen in der Arbeits- und Wirtschaftswelt, insbesondere im Hinblick auf die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie, angepasst. Außerdem gewann die Europäische Gemeinschaft als Themenbereich entsprechend der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung einen größeren Stellenwert.

Seit dem Schuljahr 1977/78 existiert in Bayern die Kollegstufe[61], deren Leitziele u. a. in einer verbesserten allgemeinen Studierfähigkeit und einer erweiterten wissenschaftlichen Grundbildung bestanden. Ihre Richtziele unterschieden sich selbstverständlich nicht von den bereits oben genannten Zielgrößen. Wie in der Mittelstufe war auch hier die Abkehr von komplexen  betriebswirtschaftlichen Sachverhalten deutlich spürbar. Im Teilgebiet Rechnungswesen des Leistungskurses[62] wurden Buchhaltung, Kosten- und Leistungsrechnung sowie Finanzmathematik schrittweise zurückgedrängt, lediglich Grundzüge des Rechnungswesens und Bilanzanalyse blieben als Stoffgebiete nach der Lehrplanrevision im Jahre 1992 noch übrig. Alle anderen Fachgebiete (Recht, Volkswirtschaft, Betriebswirtschaften) behielten ihre Bedeutung. Der Grundkurs[63] beschränkte sich seit jeher auf volkswirtschaftliche sowie zivil- und strafrechtliche Aspekte.

Beide Kurse erfreuten sich am Gregor-Mendel-Gymnasium stets großer Beliebtheit. Dies ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass Schüler des wirtschaftswissenschaftlichen Zweiges[64] eine besondere Affinität zu entsprechenden Inhalten entwickeln, sondern zeigt auch, welche Bedeutung diesem Fach für die Bewältigung von Lebenssituationen aus Sicht der Schüler zukommt. Von der Einführung der Kollegstufe bis Ende des Schuljahres 2007/2008 werden insgesamt jeweils ca. 450 Leistungskurs- und Grundkursteilnehmer unsere Schule verlassen haben.

 

5. Die wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungsrichtung  

Zum Schuljahresbeginn 1971 wurde dem Gregor-Mendel-Gymnasium das Hanns-Seidel-Gymnasium eingegliedert.[65] Mit der Übernahme von 114 Schülerinnen und Schülern trat ein massiver Lehrermangel ein, der nur mit einiger Mühe durch eine recht große Zahl nebenamtlicher Lehrkräfte beseitigt werden konnte. Den Unterricht in den Fächern „Wirtschafts- und Rechtslehre/Sozialkunde“ sowie „Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen“ erteilten die in den Staatsdienst übernommenen Wirtschaftsphilologen. Das Hanns-Seidel-Gymnasium bestand lediglich aus der Oberstufe des neunklassigen Wirtschaftsgymnasiums[66] und bot vor allem Real- und Wirtschaftsschulabsolventen die Möglichkeit, die allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Die Angleichung des Kenntnisstandes der Übertretenden an denjenigen der Schüler eines voll ausgebauten Wirtschaftsgymnasiums bereitete zwar Probleme, wurde aber dadurch erleichtert, dass die eintretenden Schüler „zumeist eine sehr positive Einstellung zur Schule und zur schulischen Arbeit besitzen“[67], was sich auch in den Ergebnissen der Reifeprüfung widerspiegelte. Letztmals wurden Schüler/innen im Schuljahr 1973/74 in die 11. Jahrgangsstufe aufgenommen.

Der Lehrplan in Wirtschafts- und Rechtslehre sah vor, den Menschen sowohl als Verbraucher wie auch als Arbeitnehmer bzw. Unternehmer in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Unternehmung als rechtliche, soziale und wirtschaftliche Einheit und als komplexes Gebilde die Volkswirtschaft als Ganzes.[68] Die Rechtslehre sollte über die Darstellung der Normen und ihrer Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen hinaus die Wurzeln der Rechtsordnung auf der Basis der christlich-abendländischen Kultur verdeutlichen. Die Lernziele entsprachen demnach im Grunde den Curricula der später einsetzenden Kollegstufe.

Die Lerninhalte des Betrieblichen Rechnungswesens (einschließlich des Wirtschaftsrechnens) unterschieden sich zunächst nur graduell von denen der Königlichen Realschule, gingen aber bei der Kostenrechnung angesichts der Entwicklung in den Wirtschaftswissenschaften weit darüber hinaus und bezogen die Buchhaltung als Instrument der Unternehmensanalyse ein. Zudem bedurfte die bilanzielle Darstellung der Finanzierungsvorgänge im Unternehmen in Form der Sonderbilanzen[69] einer ausführlichen Behandlung. Angesichts der für Laien unverständlichen Sachverhalte ist es leicht erklärbar, dass das Wirtschaftsgymnasium in der Öffentlichkeit als berufliche Schule angesehen wurde.[70] Es war jedoch nie seine Aufgabe, detailliertes Praxiswissen zu vermitteln, vielmehr ging es hauptsächlich darum, mit den Denkweisen und Arbeitsmethoden der modernen Wirtschaft vertraut zu machen. Folglich waren (bzw. sind noch heute) alle „die Denkschulung fördernden Gebiete ... besonders zu betonen, während die den praktischen Bedürfnissen dienenden Bereiche des Rechnungswesens auf das Wesentliche zu beschränken sind.“[71]

Mit dem Schuljahr 1974/75 begann der Aufbau des wirtschaftswissenschaftlichen Zweiges mit der 8. Jahrgangsstufe.[72] Bis zum Schuljahr 2006/2007 gehörten im Durchschnitt ca. 10 % aller  Schüler/innen dieser Ausbildungsrichtung an.[73] Die Tendenz zur Allgemeinbildung setzte sich in den nach 1977 geltenden Lehrplänen massiv fort. Betriebswirtschaftliche Sachverhalte wurden aus dem Lehrplan für Wirtschafts- und Rechtslehre ganz entfernt, stark reduziert oder in höhere Jahrgangsstufen verlagert. Der Themenbereich Recht erhielt durch die Einfügung des Jugendstrafrechts in der 10. Jahrgangsstufe einen stärkeren Umfang, was angesichts der persönlichen Betroffenheit von besonderem Interesse für die entsprechende Altersgruppe war. Ein großer Teil der Inhalte fand sich bei allen Ausbildungsrichtungen (Soziale Marktwirtschaft, Europäische Gemeinschaft, Rechtsformen, Berufsorientierung), Unterschiede ergaben sich lediglich in der Intensität der Behandlung.

Im Fach Rechnungswesen[74] erfolgte die Entwicklung entsprechend. Ein Vergleich der Lehrpläne zwischen 1977 und 1992 ergibt folgendes Ergebnis: Auf den Buchhaltungslehrgang alter Form mit einer Vielzahl von Konten (und Kontennummern) wurde – ebenso wie auf die Außenhandels- und Bankbuchführung – gänzlich verzichtet, um die Aufmerksamkeit auf das System der Doppik zu konzentrieren. Das gleiche gilt für das Instrument der Betriebsanalyse und die Kalkulation. Größere Bedeutung besaßen nur noch der Jahresabschluss einschließlich der hier entstehenden Bewertungsfragen und der Teilbereich Wirtschaftsmathematik. Den technologischen Veränderungen in der Praxis folgend wurde bei der Beschäftigung mit Tabellen, Statistiken und Grafiken zunehmend der Einsatz des Computers gefordert. Der Lehrplan für das achtjährige Gymnasium setzt diese Entwicklung fort, wobei das Rechnungswesen durch das Fach „Wirtschaftsinformatik“ ersetzt wird.            

 

6. Die „Nebenanstalten“ der Schule

Bereits zu Beginn des Schuljahres 1844/45 wurde der Landwirtschafts- und Gewerbeschule I. Klasse eine Handwerks-Feiertagsschule angegliedert, in der „zu dem Eintritt in die Gewerbeschule nicht befähigte Lehrlinge und auf Verlangen auch die älteren minder gebildeten Gesellen“[75] eine Unterweisung in Arithmetik, Geometrie, Physik und Zeichnen erhielten. Später kam der Kurs „Bürgerlicher Geschäftsstyl und Buchhaltung“ dazu, den zwischen 1856/57 und 1862/63 durchschnittlich ein Drittel aller Feiertagsschüler besuchte. Die Teilnehmer erhielten dort eine Einführung in die einfache Buchhaltung, die Verbuchung von Geschäftsgängen und die sich daraus ergebende Erstellung von Geschäftsbriefen. So es die Zeit erlaubte ging man ebenfalls auf das „Nötigste vom Wechsel“[76] ein. Die Handwerks-Feiertagsschule wurde 1866/67 in „Gewerbliche Fortbildungsschule“ umbenannt und erweitert. Sie bestand in den achtziger Jahren aus der Fortbildungsschule i. e. S. und der Fachschule. Der Unterricht fand an Sonn- und Feiertagen bzw. an zwei Abenden pro Woche statt. Ab 1870/71 kam spezieller Unterricht in den Handelswissenschaften hinzu. Wie bei der Gewerbeschule trat neben Buchhaltung und Handelsarithmetik die Französische Sprache. Später wurden je nach Bedarf Fachklassen u. a. für „Rechnen, Buchführung und Handelskunde“ geschaffen, die bei zwei Wochenstunden dreikursig waren und sich an den Lehrplan der Königlichen Realschule anlehnten. Nach HELLER[77] war die Schülerzahl der Weiterbildungsanstalt über die Jahre hinweg höher als an der Gewerbeschule selbst, was zeigt, welche Lücke hier geschlossen wurde.  Die Leitung dieser „Fortbildungsschulen“ oblag stets dem jeweiligen Rektor der Gewerbe- bzw. Realschule, deren Lehrkräfte ausschließlich den Unterricht erteilten.[78] 1919/20 wurde schließlich die Fortbildungsschule als eigenständige Anstalt für alle Berufe geschaffen und sowohl organisatorisch als auch leitungsmäßig von der Realschule getrennt.  

 

7. Wirtschaftserziehung am Gregor-Mendel-Gymnasium – der Tradition verpflichtet

Wie die geschichtliche Entwicklung zeigt, führten Elternschaft und Lehrkräfte, Gewerbe und Stadtmagistrat einen ständigen Kampf um den Erhalt der Schule im Allgemeinen und der Handelsabteilung im Besonderen, deren Inhalten von den ministeriellen Entscheidungsträgern offensichtlich ein geringer Bildungswert zugewiesen wurde. Technologischer und wirtschaftlicher Wandel erzwangen jedoch allmählich eine höhere Qualifizierung der Beschäftigten sowohl zunächst im gewerblichen als auch später im kaufmännischen Bereich. Während nur 13 % der „Gewerbeschüler“ die Handelsabteilung besuchten, stieg deren Anteil an der Realschule zwischen 1877/78 und 1909/1910 auf 46 % an.[79] Vor allem die Selbstständigen, die zumeist mit einem höheren Einkommen als der Durchschnitt der Bevölkerung ausgestattet waren, hatten in den ersten 100 Jahren des Bestehens der Schule ein besonderes Interesse an einer fortschrittlichen Ausbildung ihrer Kinder.[80] Mit der Zeit wandelte sich die Struktur der Elternschaft entscheidend. Mit der Hinwendung zur Allgemeinbildung und dem Ausbau der „Oberstufe“ vertrauten zunehmend auch die Angehörigen der „höheren Schichten“ (z. B. höhere Staats- und Gemeindebeamte, leitende Angestellte) ihre Söhne und Töchter [81]den Realanstalten an, zumal deren erfolgreicher Besuch zum Studium an den Hochschulen berechtigte.[82]  Später nahm auch der Anteil der Schüler der früher eher bildungsfernen Bevölkerungsschichten (Arbeiterstand) zu, so dass der eingangs zitierte Schulleiter zu Recht feststellen konnte:  Die Oberrealschule „ist mehr als andere Schulen im Sinne der Demokratie eine Volksschule, in der kein einzelner Stand bevorzugt wird und in der nur die Begabung und die Leistungen entscheiden.“[83]

Das Gregor-Mendel-Gymnasium und seine Vorläufer hatten nicht nur die Stadt Amberg selbst, sondern für einen großen Einzugsbereich Bedeutung. Gewerbe-, Real- und Oberrealschule brauchten Konkurrenz in Nachbarstädten und Nachbarlandkreisen nicht zu fürchten, weil dort entsprechende (Aus-) Bildungsmöglichkeiten fehlten. Im Schuljahr 1896/97 lag der Anteil der auswärtigen Schüler bei 38 %, mit der verbesserten Verkehrserschließung erreichte er 1940/41 nahezu 50 %.[84]  Dieser Zustrom wäre ohne die stetige Anpassungsfähigkeit der Schule an die veränderten Gegebenheiten in der Wirtschafts- und Arbeitswelt nicht möglich gewesen. Erinnert sei hier nur daran, dass in Amberg der Pflichtunterricht in den neuen Sprachen bei der Königlichen Gewerbeschule seinen Anfang nahm.

Ökonomische Bildung hat an dieser Schule eine so lange Tradition, wie sie keine andere Institution vorweisen kann. Zwar haben sich die stofflichen Inhalte drastisch geändert, die Aufgabe der Schule, „nicht nur allgemeine und idealistische, sondern auch für die moderne Zeit verwertbare Bildung“[85] zu vermitteln, hat wie eh und je Gültigkeit. In Zukunft wird es darauf ankommen, den Abiturienten neben einem unverzichtbaren Wissensfundament und einem Gespür für ethische Normen Schlüsselqualifikationen und Grundkompetenzen mitzugeben, damit sie in der Lage sind, sich den komplexen Herausforderungen einer zunehmend globalisierten Welt zu stellen. Gerade die Wirtschaftswissenschaften können dazu einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. 

 

 

Neben den Schulordnungen bzw. Lehrplänen und Jahresberichten verwendete Literatur:

Arnold, F.: Geschichtliche Entwicklung und Stand des kaufmännischen Schulwesens in Bayern unter besonderer Berücksichtigung der Handelsschulen, in: ders.: Das kaufmännische Bildungswesen in Bayern, Kallmünz 1958, S. 25 - 56

Blaha, A.: Zur Geschichte der Handelsbteilungen an den technischen Unterrichtsanstalten in Bayern, Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht der k. Realschule Kempten für das Schuljahr 1910/11

Goepfert, E.: Ökonomische Bildung im Wandel: 100 Jahre didaktische und methodische Innovation, Festvortrag, 27. Wirtschaftsphilologentag am 5./6. Oktober 2006 in Passau

Goepfert, E. u. H. Wiedemann: Vom „Verband bayerischer Lehrer für Handelswissenschaften an technischen Unterrichtsanstalten“ zum „Wirtschaftsphilologenverband e. V.“, in: 100 Jahre WPV (Festschrift 2006), S. 16 – 29

Heinisch, G.: Kaufmännisches Rechenbuch für Handels-, Gewerb-, Real- und höhere Bürgerschulen, 3. verb. Auflage, Bamberg 1870 

Heller, A.: 150 Jahre Gregor-Mendel-Gymnasium Amberg – ein Beispiel für die Entwicklung des realistischen Schulwesens in Bayern, in: Gregor-Mendel-Gymnasium 1833 – 1983 (Festschrift zur 150-Jahrfeier), S. 6 – 61

Kery, K.: Programm (ohne Titel), in: Jahresbericht 1842/43, S. 2 – 7 

Krebs, F.: Das Schulwesen der Stadt Amberg von den Anfängen bis zum 30-jährigen Krieg, in: Jahresbericht 1968/69, S. 1 – 26

Küffner, K.: Die bayerische Oberrealschule vor 100 Jahren. Ein Beitrag zur Geschichte des Allgemeinen Normativs von 1808 und des Realschulwesens, Nürnberg 1908

Liedtke, M.: Die anthropologische Bedeutung von Erziehung und Unterricht sowie die geschichtlichen Wurzeln des Bildungswesens, in: ders. (Hrsg.): Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 1, Verlag J. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 1991, S. 19 – 42

Melzl, J.: Geschichte der Oberrealschule Amberg; Beilage zum Jahresberichte 1926/27 anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Bestehens der Realschulen in Bayern 1877 - 1927

Melzl, J.: Geschichte der Oberrealschule Amberg (Festgabe zum 100jährigen Jubiläum der Oberrealschule, Amberg 1933

Neugebauer, W.: Der Unterricht im Fach Wirtschaftslehre an den Gymnasien (Sekundarstufe I), in: Neugebauer, W. : Fachdidaktisches Studium in der Lehrerbildung, Wirtschaft 1 (Unterricht in Wirtschaftslehre), Oldenbourg Verlag, München 1976, S. 154 – 182

Neumann: Das realistische Schulwesen in Deutschland, in: Amberger Tagblatt vom 15. Juli 1933 (100 Jahre Gewerbe-, Real- und Oberrealschule 

Noichl, F.: 100 Jahre Wirtschaftsphilologen in Bayern, in: Verband Bayer. Wirtschaftsphilologen (Hrsg.): Wirtschaft und Recht am Gymnasium, Selbstverlag, München 1969, S. 5 – 30

Oechsner, H. P.: Der Einzugsbereich der Schule (1886 – 1982), in: Gregor-Mendel-Gymnasium 1833 – 1983 (Festschrift zur 150-Jahrfeier), S. 63 – 68

Promemoria über die Reorganisation der k. bayerischen Gewerbschulen, 1870

Sehling, H.: Die Entwicklung des Münchner kaufmännischen Schulwesens, Diss., Ehrenwirth Verlag, München 1966 

Widenbauer, G.: Geschichte des Bayerischen Realschulwesens von 1816 bis heute, München und Berlin 1927

Rauscher, W.: Geschichte und Bedeutung der Oberrealschule Amberg, Sonderdruck, 1968

Zitzlsperger, J.: Rückblick auf das zwanzigjährige Bestehen der königl. Landwirthschafts- und Gewerbeschule I. Klasse in Amberg, in: Jahresbericht 1852/53, S. 3 - 6        




[1] Auf die Lehrpläne des achtjährigen Gymnasiums (G 8) wird wegen der zeitlichen Nähe nicht eingegangen.

[2] Vgl. ARNOLD 1958, S. 36! Bis 1540 war selbst das „deutsche“ Schulwesen in Amberg  „nichts anderes als ein Geschäftsunternehmen kleiner, schreibgewandter Leute“ (KREBS 1969, S. 12)

[3] Rede „über den Einfluss des Nationalfleißes und der Arbeitsamkeit der Untertanen auf die Glückseligkeit der Staaten“, zit. bei WIDENBAUER 1927, S. 5

[4] Zu den „realistischen“ Fächern zählten Deutsch, Geschichte, Geographie, Religion, Buchhaltung und die Naturwissenschaften.

[5] NEUMANN 1933 

[6] Vgl. WIDENBAUER 1927,  S. 6

[7] WIDENBAUER 1927, S.15

[8] Zum NIETHAMMERschen Normativ vgl. z. B. MELZL 1933, S. 2!

[9] RAUSCHER (1968),  S. 1 f.

[10] Zu den Hintergründen vgl. z. B. WIDENBAUER 1927, S. 10!

[11] Bei letzterer handelt es sich um eine Gewinnverteilungsrechnung.

[12] Grundbuch, in dem die Geschäftsvorfälle zuerst aufgezeichnet werden.

[13] Jahresbericht 1842/43, S. 12! Die Teilnahme am Buchführungsunterricht war nach WIDENBAUER 1927, S. 32, auch für die Landwirtschaftsschüler verpflichtend.

[14] Die erste staatliche Lehramtsprüfung im Fach Handelswissenschaften fand 1869 statt.

[15] HELLER 1983, S. 18

[16] vgl. WIDENBAUER 1927, S. 68!

[17] Jahresbericht 1852/53, S. 6

[18] Jahresbericht 1860/61, S. 6

[19] Der Unterricht in den landwirtschaftlichen Fächern wurde im Folgejahr aufgegeben.

[20] MELZL 1933, S. 6

[21] Vgl. Kasten 1!

[22] Der Einzug der modernen Fremdsprachen in den Fächerkanon der allgemein bildenden Schulen darf generell als Folge der ökonomischen Orientierung gewertet werden. 

[23] Gemeinschaftlichen Unterricht erhielten die Schüler der Handels- und der  gewerblichen Abteilung in den Fächern Religionslehre, Deutsche Sprache, Geographie, Geschichte, Arithmetik, Naturgeschichte, Naturlehre und Chemie. 

[24] BLAHA 1911, S. 22

[25] Sie gehörten von nun an zum Pflichtunterricht.

[26] BLAHA 1911, S. 26

[27] Jahresbericht 1878/79, S. 10

[28] Als weitere Lehrinhalte seien genannt: Dreisatz, Zins-, Diskont und Terminrechnung sowie „Provision, Courtage, Assekuranz“ (Jahresbericht 1877/78).

[29] MELZL 1933, S. 10 f.

[30] Jahresbericht 1893/94

[31] Der Anhang zeigt einige der damals eingesetzten Lehrbücher (Kasten 2)! 

[32] Vgl. die Prüfungsaufgabe aus dem Schuljahr 1913/14 im Anhang (Kasten 3)!

[33] Promemoria 1870, S. 21. Bei Partizipationsgeschäften schließen sich Unternehmer zusammen, um gemeinsam Handelsgeschäfte abzuwickeln. Der sich daraus ergebende Gewinn oder Verlust wird geteilt. Comptoirarbeiten sind alle Tätigkeiten, die ein Kaufmann im Rahmen seines Handelsgewerbes zu erledigen hat.

[34] NOICHL 1969, S. 10

[35] Bei Kommissionsgeschäften werden Waren oder Wertpapiere durch Kaufleute im eigenen Namen für fremde Rechnung ge- oder verkauft. Konsignationsgeschäfte sind spezielle Kommissionsgeschäfte im internationalen Handel.

[36] Zit. bei GOEPFERT 2006

[37] Diesen Namen erhielt die Oberrealschule im Jahr 1965.

[38] MELZL 1933, S. 11

[39] Die neue Schulform wurde 1907 geschaffen. In Regensburg bestand bereits ein solches Institut. Die Verstaatlichung aller Real- und Oberrealschulen erfolgte 1924.

[40] Jahresbericht 1930/31, S. 21

[41] Für die Schüler ergab sich dadurch eine Mehrbelastung von einer Wochenstunde.

[42] Vgl. GOEPFERT 2006

[43] Vgl. NOICHL 1969, S. 22 ff.

[44] Beachtenswert ist, dass die mündliche Prüfung damals auch eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche vorsah.

[45] Vgl. NEUGEBAUER 1976, S. 167 f.

[46] Zit. bei GOEPFERT 2006

[47] Jahresbericht 1925/26. Zu den erkundeten Betrieben zählten z. B. die Luitpoldhütte, die Tonwarenfabrik Schwandorf und das Braunkohlenwerk in Wackersdorf.

[48] Dies gilt offensichtlich auch für die Zeit nach 1937, obwohl im Zuge der Vereinheitlichung des höheren Schulwesens im Deutschen Reich die Anzahl der Jahrgangsstufen von neun auf acht reduziert wurden.

[49] S. 31

[50] Die Quoten schwanken zwischen 53 % und 73 %.

[51] Dies entspricht dem Wahlverhalten in ganz Bayern. Vgl. NEUGEBAUER 1976, S. 173 f.

[52] Von den Lehrinhalten werden allerdings aller Erfahrung nach die Jungen stärken angesprochen als die Mädchen.

[53] NEUGEBAUER  1976, S. 168

[54] NOICHL 1969, S 13

[55] NEUGEBAUER 1976, S. 168

[56] Blutenburg-Verlag, München 1966

[57] Im Zuge einer späteren Reduzierung auf zwei Wochenstunden wurden betriebstechnische Themen weiter gekürzt und der arbeitende Mensch als Unternehmer und Arbeitnehmer in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.

[58] Da der Aufbau nach und nach erfolgte, waren einige Lehrplanänderungen notwendig. 

[59] Bereits behandelte Inhalte können unter anderen Aspekten und auf einem anderen Niveau wieder aufgenommen werden, um die Lernziele der jeweiligen Altersstufe besser anzupassen.

[60] Zunächst für die 10. Jahrgangsstufe vorgesehen wurde dieser bei der Lehrplanreform ein Jahr vorgezogen, da Schüler, die mit Erreichen der Oberstufenreife die Schule verlassen, bereits in der 9. Jahrgangsstufe ihre Berufsentscheidung treffen müssen.

[61] Das Gregor-Mendel-Gymnasium beteiligte sich schon 1975/76 an einem entsprechenden Schulversuch.

[62] Zunächst sechs, später fünf Wochenstunden

[63] Zwei Wochenstunden

[64] Vgl. dazu den folgenden Abschnitt!

[65] Als Anstalt eines Schulvereins 1954/55 gegründet übernahm es die Stadt Amberg im Schuljahr 1970/71.

[66] Wirtschaftsoberrealschulen gab es damals nur noch in Regensburg, Nürnberg und München.

[67] Jahresbericht 1972/73, S. 49

[68] Genannt seien hier nur der Wirtschaftskreislauf, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Störungen im Wirtschaftsablauf und die Grundzüge der Wirtschaftpolitik.

[69] Dazu gehörten Gründung, Fusion, Sanierung, Konkurs und  Auseinandersetzung

[70] Vgl. Amberger Zeitung vom 26.6.1954! In einigen Bundesländern, z. B. in Baden-Württemberg, trifft diese Vermutung auch tatsächlich zu.

[71] Lehrplanentwurf für Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen an den Wirtschaftsgymnasien (Anfang der 70er Jahre?)

[72] Da die Lehrinhalte für alle Ausbildungsrichtungen identisch waren, musste die Zweigwahl einige Jahre später erst in der 8. Jahrgangsstufe getroffen werden.

[73] Vgl. dazu Kasten 5 im Anhang!

[74] In den Jahrgangsstufen 9 bis 11 waren insgesamt 6 Wochenstunden für Wirtschafts-/Rechtslehre und Rechnungswesen vorgesehen. 

[75] Zit. bei HELLER 1983, S. 58

[76] Jahresbericht 1859/60, S. 14

[77] 1983, S. 58

[78] Der Besuch war – abhängig von der Entscheidung der städtischen Gremien  – für bestimmte Ausbildungsberufe freiwillig bzw. obligatorisch.

[79] Vgl. BLAHA 1911, S. 54

[80] Vgl. Kasten 6 im Anhang!

[81] Ende des Schuljahres 1926/27 legten erstmals auch Mädchen die Reifeprüfung ab.

[82] Anfang des 20. Jh. erhielten die Oberrealschüler die Möglichkeit, einen „wahlfreien Lateinunterricht“ zu besuchen. Dieser vermittelte ihnen die erforderlichen Kenntnisse zum Übertritt in die 7. Klasse eines Realgymnasiums, dessen Abschluss zum Studium der Medizin und Pharmazie notwendig war.  Vgl. WIDENBAUER  1927, S. 131!

[83] RAUSCHER 1968, S. 2

[84] Vgl. OECHSNER 1983, S. 68! Fasst man die Stadt Amberg und die Gemeinde Kümmersbruck zusammen, ergibt sich im Schuljahr 2006/2007 ein ähnlicher Wert.

[85] RAUSCHER 1968, S. 2

 

 

Anhang

 

Kasten 1: Lehrgegenstände im II und III. Kurs der Handelsabteilung

 

Kurs

 

Fach

Wochen-

stun-

den

 

Lehrgegenstände

II

Kaufmännische

Arithmetik

5

Vorteile in der Multiplikation und Division; Kettenregel; einfache und zusammengesetzte Gesellschaftsrechnung;

Zins-, Diskonto- und Terminrechnung; Mischungs- und Prozentrechnung. Münz-, Maß- und Gewichtskunde. Einfache und zusammengesetzte Wechselreduktion. Wechselparirechnung. Warenrechnung und einfache Warenkalkulationen.

Handelskunde

6

Wechsellehre und Anfertigung verschiedener Wechselformulare. Erklärung der im Geschäftsverkehr vorkommenden Termen. Fakturen in usanchgemäßiger Form. Einfache Buchhaltung und Erklärung der hierzu nötigen Bücher. Praktische Bearbeitung eines monatlichen Geschäftsganges und Abschluss der Bücher. Ausarbeitung der zu diesem Geschäftsgänge gehörigen wichtigeren Briefe. Aufstellung und Abschluss der Coni-Correnti nach allen Zinsberechnungsarten.

III

Kaufmännische

Arithmetik

2

Zusammengesetzte Warenkalkulationen; Berechnung des Gewinnes und Verlustes bei Wechseloperationen; Arbitrage und Wechselkommissionsrechnung. Berechnung der Aktien und Staatspapiere

Handelskunde

4

Das Nötigste vom Zollwesen und von den Handelssystemen, sowie von den Beförderungsmitteln des Handels und Verkehrs. Doppelte Buchhaltung. Erklärung der Bücher und Bearbeitung eines zweimonatlichen Geschäftsganges und Bücherschluss nebst Anfertigung der dazu gehörigen wichtigeren Briefe. Die wesentlichsten Bestimmungen des Handelsgesetzbuches, insbesondere in Bezug auf Handelssozietäten. Kurz gefasste Warenkunde mit Benützung der vorhandenen Warensammlung.

Handelsgeo-graphie und Handelsge-schichte

3

  1. Geographie: Die Staaten Europas in Bezug auf Handels-produkte, Handelsstädte, Industriesitze und Verkehrswege. Die übrigen Weltteile mit besonderer Berücksichtigung der europäischen Kolonien und deren Erzeugnisse.
  2. Geschichte: Kurzer Überblick der Handel treibenden Völker des Altertums; Geschichte des Handels im Mittelalter, insbesondere des deutschen Handels. Einfluss der Entdeckung von Amerika und des Seeweges nach Ostindien auf den Weltverkehr. Geschichte des Handels der europäischen Seestaaten der neuen Zeit. Einfluss der Erfindungen auf den Handel der Neuzeit. Geschichte des deutschen Zollvereins.

 

Kasten 2: In den Fächern Arithmetik und Handelskunde im Schuljahr 1895/96 u. a. verwendete Bücher

http://www.gmg-amberg.eu/sites/gmg-amberg.de/files/images/2012/1/b1.jpg

 

Kasten 3: Absolutoriumsprüfung am Donnerstag, den 18. Juni 1914, vormittags 8 1/4 Uhr bis 10 1/4 Uhr

              Aufgaben aus den handelswissenschaftlichen Fächern

Am Nachmittag desselben Tages (3 Uhr bis 6 Uhr) hatten die Prüfungsteilnehmer eine Übersetzung in die englische Sprache anzufertigen.

 

Kasten 4: Fachwahlquoten (in %) für Wirtschaftslehre/Wirtschaft und Recht

              (math.-naturw. Ausbildungsrichtung) 1952/53 bis 1975/76

 

Kasten 5: Entwicklung der Schülerzahlen (Aufbau des WWG-Zweiges ab dem Schuljahr  1974/75) 

Kasten 6: Anteil der Kaufleute und anderen Gewerbetreibenden (in % der Erziehungsberechtigten)

 

 


[1] Auf die Lehrpläne des achtjährigen Gymnasiums (G 8) wird wegen der zeitlichen Nähe nicht eingegangen.

[2] Vgl. ARNOLD 1958, S. 36! Bis 1540 war selbst das „deutsche“ Schulwesen in Amberg  „nichts anderes als ein Geschäftsunternehmen kleiner, schreibgewandter Leute“ (KREBS 1969, S. 12)

[3] Rede „über den Einfluss des Nationalfleißes und der Arbeitsamkeit der Untertanen auf die Glückseligkeit der Staaten“, zit. bei WIDENBAUER 1927, S. 5

[4] Zu den „realistischen“ Fächern zählten Deutsch, Geschichte, Geographie, Religion, Buchhaltung und die Naturwissenschaften.

[5] NEUMANN 1933 

[6] Vgl. WIDENBAUER 1927,  S. 6

[7] WIDENBAUER 1927, S.15

[8] Zum NIETHAMMERschen Normativ vgl. z. B. MELZL 1933, S. 2!

[9] RAUSCHER (1968),  S. 1 f.

[10] Zu den Hintergründen vgl. z. B. WIDENBAUER 1927, S. 10!

[11] Bei letzterer handelt es sich um eine Gewinnverteilungsrechnung.

[12] Grundbuch, in dem die Geschäftsvorfälle zuerst aufgezeichnet werden.

[13] Jahresbericht 1842/43, S. 12! Die Teilnahme am Buchführungsunterricht war nach WIDENBAUER 1927, S. 32, auch für die Landwirtschaftsschüler verpflichtend.

[14] HELLER 1983, S. 18

[15] vgl. WIDENBAUER 1927, S. 68!

[16] Jahresbericht 1852/53, S. 6

[17] Jahresbericht 1860/61, S. 6

[18] Der Unterricht in den landwirtschaftlichen Fächern wurde im Folgejahr aufgegeben.

[19] MELZL 1933, S.6

[20] Vgl. Kasten 1!

[21] Der Einzug der modernen Fremdsprachen in den Fächerkanon der allgemein bildenden Schulen darf generell als Folge der ökonomischen Orientierung gewertet werden. 

[22] Gemeinschaftlichen Unterricht erhielten die Schüler der Handels- und der  gewerblichen Abteilung in den Fächern Religionslehre, Deutsche Sprache, Geographie, Geschichte, Arithmetik, Naturgeschichte, Naturlehre und Chemie. 

[23] BLAHA 1911, S. 22

[24] Sie gehörten von nun an zum Pflichtunterricht.

[25] BLAHA 1911, S. 26

[26] Jahresbericht 1878/79, S. 10

[27] Als weitere Lehrinhalte seien genannt: Dreisatz, Zins-, Diskont und Terminrechnung sowie „Provision, Courtage, Assekuranz“ (Jahresbericht 1877/78).

[28] MELZL 1933, S. 10 f.

[29] Jahresbericht 1893/94

[30] Vgl. die Prüfungsaufgabe aus dem Schuljahr 1913/14 im Anhang (Kasten 2)!

[31] Promemoria 1870, S. 21.Bei Partizipationsgeschäften schließen sich Unternehmer zusammen, um gemeinsam Handelsgeschäfte abzuwickeln. Der sich daraus ergebende Gewinn oder Verlust wird geteilt. Comptoirarbeiten sind alle Tätigkeiten, die ein Kaufmann im Rahmen seines Handelsgewerbes zu erledigen hat.

[32] NOICHL 1969, S. 10

[33] Bei Kommisionsgeschäften werden Waren oder Wertpapiere durch Kaufleute im eigenen Namen für fremde Rechnung ge- oder verkauft. Konsignationsgeschäfte sind spezielle Kommisionsgeschäfte im internationalen Handel.

[34] Zit. bei GOEPFERT 2006

[35] Diesen Namen erhielt die Oberrealschule im Jahr 1965.

[36] MELZL 1933, S. 11

[37] Die neue Schulform wurde 1907 geschaffen. In Regensburg bestand bereits ein solches Institut. Die Verstaatlichung aller Real- und Oberrealschulen erfolgte 1924.

[38] Jahresbericht 1930/31, S. 21

[39] Für die Schüler ergab sich dadurch eine Mehrbelastung von einer Wochenstunde.

[40] Vgl. GOEPFERT 2006

[41] Vgl. NEUGEBAUER 1976, S. 167 f.

[42] Zit. bei GOEPFERT 2006

[43] Jahresbericht 1925/26. Zu den erkundeten Betrieben zählten z. B. die Luitpoldhütte, die Tonwarenfabrik Schwandorf und das Braunkohlenwerk in Wackersdorf.

[44] Dies gilt offensichtlich auch für die Zeit nach 1937, obwohl im Zuge der Vereinheitlichung des höheren Schulwesens im Deutschen Reich die Anzahl der Jahrgangsstufen von neun auf acht reduziert wurden.

[45] S. 31

[46] Die Quoten schwanken zwischen 53 % und 73 %.

[47] Dies entspricht dem Wahlverhalten in ganz Bayern. Vgl. NEUGEBAUER 1976, S. 173 f.

[48] Von den Lehrinhalten werden allerdings aller Erfahrung nach die Jungen stärken angesprochen als die Mädchen.

[49] NEUGEBAUER  1976, S. 168

[50] NOICHL 1969, S 13

[51] NEUGEBAUER 1976, S. 168

[52] Blutenburg-Verlag, München 1966

[53] Im Zuge einer späteren Reduzierung auf zwei Wochenstunden wurden betriebstechnische Themen weiter gekürzt und der arbeitende Mensch als Unternehmer und Arbeitnehmer in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt

[54] Da der Aufbau nach und nach erfolgte, waren einige Lehrplanänderungen notwendig. 

[55] Bereits behandelte Inhalte können unter anderen Aspekten und auf einem anderen Niveau wieder aufgenommen werden, um die Lernziele der jeweiligen Altersstufe besser anzupassen.

[56] Zunächst für die 10. Jahrgangsstufe vorgesehen wurde dieser bei der Lehrplanreform ein Jahr vorgezogen, da Schüler, die mit Erreichen der Oberstufenreife die Schule verlassen, bereits in der 9. Jahrgangsstufe ihre Berufsentscheidung treffen müssen.

[57] Das Gregor-Mendel-Gymnasium beteiligte sich schon 1975/76 an einem entsprechenden Schulversuch.

[58] Zunächst sechs, später fünf Wochenstunden

[59] Zwei Wochenstunden

[60] Vgl. Abschnitt 5!

[61] Als Anstalt eines Schulvereins 1954/55 gegründet übernahm es die Stadt Amberg im Schuljahr 1970/71.

[62] Wirtschaftsoberrealschulen gab es damals nur noch in Regensburg, Nürnberg und München.

[63] Jahresbericht 1972/73, S. 49

[64] Genannt seien hier nur der Wirtschaftskreislauf, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Störungen im Wirtschaftsablauf und die Grundzüge der Wirtschaftpolitik.

[65] Dazu gehörten Gründung, Fusion, Sanierung, Konkurs und  Auseinandersetzung

[66] Vgl. Amberger Zeitung vom 26.6.1954! In einigen Bundesländern, z. B. in Baden-Württemberg, trifft diese Vermutung auch tatsächlich zu.

[67] Lehrplanentwurf für Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen an den Wirtschaftsgymnasien (Anfang der 70er Jahre?)

[68] Da die Lehrinhalte für alle Ausbildungsrichtungen identisch waren, musste die Zweigwahl einige Jahre später erst in der 8. Jahrgangsstufe getroffen werden.

[69] Vgl. dazu Kasten 4 im Anhang!

[70] In den Jahrgangsstufen 9 bis 11 waren insgesamt 6 Wochenstunden für Wirtschafts-/Rechtslehre und Rechnungswesen vorgesehen. 

[71] Zit. bei HELLER 1983, S. 58

[72] Jahresbericht 1859/60, S. 14

[73] 1983, S. 58

[74] Der Besuch war – abhängig von der Entscheidung der städtischen Gremien  – für bestimmte Ausbildungsberufe freiwillig oder obligatorisch.

[75] Vgl. BLAHA 1911, S. 54

[76] Vgl. Kasten 5 im Anhang!

[77] Ende des Schuljahres 1926/27 legten erstmals auch Mädchen die Reifeprüfung ab.

[78] Anfang des 20. Jh. erhielten die Oberrealschüler die Möglichkeit, einen „wahlfreien Lateinunterricht“ zu besuchen. Dieser vermittelte ihnen die erforderlichen Kenntnisse zum Übertritt in die 7. Klasse eines Realgymnasiums, dessen Abschluss zum Studium der Medizin und Pharmazie notwendig war.  Vgl. WIDENBAUER  1927, S. 131!

[79] RAUSCHER 1968, S. 2

[80] Vgl. OECHSNER 1983, S. 68! Fasst man die Stadt Amberg und die Gemeinde Kümmersbruck zusammen, ergibt sich im Schuljahr 2006/2007 ein ähnlicher Wert.

[81] RAUSCHER 1968, S. 2