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Seife ist wichtiger als Spielzeug

Als wir zum ersten Mal die Bilder der Kinder aus dem Waisenhaus in Ghana zu sehen bekamen, welches das  Gregor-Mendel-Gymnasium mit dem Projekt „Tender Hearts“ unterstützen möchte, schoss uns sofort die Frage durch den Kopf: Womit spielen diese Kinder? Wie können wir mithelfen, mehr Freude in ihr Leben zu bringen? Beim Interview mit Nicola Brew-Sam, geborene Krömer, und ihrem Ehemann Abraham Brew-Sam  bekamen wir darauf eine überraschende Antwort: Seife ist für die Kinder wichtiger als Spielzeug. Um uns diese Aussage und das Ziel des Projekts näher zu erläutern, stellten uns der Ghanaer, der als Statikingenieur bei einer Firma für Ölförderschiffe arbeitet, und seine Frau Nicola, die ihre Doktorarbeit in Gesundheitskommunikation macht, sein Heimatland und die Situation der Kinder dort näher vor.

Wichtig ist  zunächst, die politische und wirtschaftliche Situation in Ghana zu verstehen: Viele Europäer haben wahrscheinlich eine sehr oberflächliche Vorstellung von dem westafrikanischen Staat, auch wenn man vielleicht weiß, dass es zu den größten Kakao-Exporteuren der Welt gehört. Überraschend für uns waren die großen Gegensätze, von denen Brew-Sam uns erzählte. Es gibt dort in einigen Teilen eine Infrastruktur, die unserer gleicht, vor allem in den größeren Städten wie Accra. Auch das Schulsystem ist mit seinen 9 Jahren Schulpflicht unserem ziemlich ähnlich. Doch wie bereits erwähnt gibt es ein „zweites“ Ghana, ländliche geprägte Landesteile ohne nennenswerte Infrastruktur, in denen Hunger und Armut herrschen. In genau diesem zweiten Teil gibt es viele Waisenkinder bzw. Kinder, die aus Armut weggegeben wurden, weil sie von den Eltern nicht ernährt werden können. Diese Waisenhäuser bekommen keine staatliche Unterstützung und leben von Spenden, weshalb sie mit einem sehr kleinen Budget auskommen müssen. 

Bei dem Projekt geht es um das Waisenhaus „Father’s Heart Ministry Mission“, welches circa 30 Minuten von Accra, der Hauptstadt von Ghana, entfernt liegt. Nicola Brew-Sam hat es bei einem Aufenthalt in Ghana, wo sie mit ihrer Familie einen Teil des Jahres lebt, besucht. In dem Waisenhaus sind  Kinder von drei bis 13 Jahren untergebracht. Es muss mit ungefähr 1.000€ monatlich 50 Kinder ernähren, pflegen und eine schulische Bildung zur Verfügung stellen. Jedes Kind lebt somit täglich von 66 Cent, die für Nahrung, Kleidung etc. zur Verfügung stehen. Alle Gebäude sind von Hand und freiwilligen Helfern gebaut. Deshalb beschlossen Nicola Brew-Sam und ihr Ehemann Abraham, dessen Schwester schon als Freiwillige in diesem Waisenhaus mithilft, das Projekt „Tender Hearts“ zu gründen, um das Budget des Waisenhauses aufzustocken. Vor allem wir das Spendengeld für die benötigten Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Matratzen und Kleidung benötigt. Auch ein Computer, der zur Kommunikation mit der Patenschule dienen soll, ist angedacht.

Dafür sollen auf einem separaten Konto Spenden von Schülern des GMGs gesammelt werden, die dann direkt (völlig ohne Verwaltungskosten) den Kindern zugute kommen sollen. Nicola Brew-Sam wird zusammen mit ihrem Ehemann das Geld verwalten. Das Ziel ist, somit das Budget langfristig, zu erhöhen. Schon bei einer kleinen Spende von 1,30€ von jedem Schüler pro Monat würde sich das dem Waisenhaus zur Verfügung stehende Geld verdoppeln. Die am dringendsten  benötigten Dinge werden von den Leitern und Helfern des Waisenhauses besorgt. Dabei wird jede Zahlung dokumentiert und halbjährlich wird ein Bericht der Ausgaben vorgelegt. Dadurch wird gewährleistet, dass alle Spenden zu den Kindern gelangen.  

Besonders beeindruckt hat uns bei unserem Gespräch mit der jungen Familie, dass in dem Waisenhaus auch Kinder leben, die von ihren Eltern weg gegeben wurden, weil sie sie schlichtweg zu arm sind, um sie zu versorgen. Wenn man sich vorstellt, unter welchen Bedingungen solche Kinder dort leben, z.B. jeden Tag auf einer durchgedrückten Matratze in einem Gemeinschaftsraum schlafen zu müssen oder mehrere Kilometer mit einem Eimer zum nächsten Brunnen laufen zu müssen, um einen Schluck Wasser zu bekommen, ist das für uns ein unvorstellbarer Gedanke. Nicht zu vergleichen mit unserem Leben, in dem viele Dinge wie sauberes Wasser und ein bequemes Bett selbstverständlich sind. Auch die Möglichkeit zu haben, in eine richtige Schule zu gehen, um das vermittelt zu bekommen, was für eine gute Ausbildung und damit ein selbstbestimmtes Leben nötig ist, erscheint uns vor diesem Hintergrund in einem neuen Licht.

Wer nun mithelfen möchte, den Kindern in Ghana ein besseres Leben zu ermöglichen, kann dies auf verschiedenen Wegen tun. Spenden sind jederzeit willkommen, auch einzelne Schüler und Klassen sind aufgerufen, sich kreative Projekte zu überlegen, mit denen Spenden für das Waisenhaus gesammelt werden können. Auf der Schulhomepage sind alle Informationen zum Spendenkonto zu finden.

Jeder am GMG ist aufgerufen, Multiplikator zu sein. Vielleicht ist es dann doch möglich, den Kindern etwas mehr, als das Nötige zum Leben zu ermöglichen. Helfen Sie, helft ihr mit!

 

Otylia Hrouda, Margarita Marchuk, Inna Nikitin